
Diese Band heisst »1000« (sprich: tausend) weil sie 2004 aus einer Konzertreihe mit dem Titel »1000 Jahre Jazz« geboren wurde, weil »1000« eine starke Zahl ist und weil es digitaler nicht geht.
Das international besetzte Quartett »1000« hat diverseste Wurzeln. Wilbert de Joode und Jan Klare arbeiten seit den frühen 90er Jahren in unterschiedlichsten Grupen zusammen, vornemlich in dem von 1994 -98 bestehenden niederländisch/ englisch/ deutschen Quartett EUREKA, in dem auch Michael Vatcher ein paar Mal gastierte. Nach einer an Klare vergebenen Auftragskomposition für das Internationale Jazzfestival Münster 1997 entwickelte sich das Trio Klare, de Joode, Vatcher, das zuerst in unregelmässigen Abständen arbeitete. Bart Maris hatte bereits oft mit de Joode und Vatcher gearbeitet und begenete Klare 2001. Sie stellten schnell fest, dass es eine starke gegenseitige Sympathie für das Spilen und Denken des anderen gab - so dass die Gründung einer gemeinsamen Band ein logischer Schritt war.
Den Grundstock des Repertoires von »1000« bildeten zuerst sehr speziell interpretierte Kompositionen aus der klassischen Musik z.B. aus der Gregorianik, von Bach, Wagner, Monteverdi und anderen. Nach und nach kamen andere Stücke von Jan Klare dazu, die sich mit der Besonderheit dieser Besetzung auseinandersetzen. Das line up von »1000« erinnert vielleicht an das Quartett von O. Coleman denken - ganz falsch ist das nicht, aber »1000« klingt deutlich anders. Auf markante Weise gehen hier Komposition und ihre improvistorische Weiterentwicklung Hand in Hand. Die Stücke sind deutlich, doch niemals gleich. Die Instrumente wechseln ständig ihre Rollen, die Musik bleibt immer handfest.
Saxofonist Jan Klare lebt nach langen Aufenthalten in England und den Niederlanden seit Anfang der 90-iger Jahre in Münster. Die Palette seiner musikalischen Aktivitäten ist extrem breit und hat ihn in Kontakt mit verschiedensten Medien und Musikstilen gebracht. Er hat diverse literatische Vorlagen vertont und sich darüberhinaus mit der Gruppe »Das Böse Ding« einen Namen gemacht.
Bart Maris spielt Trompete. Es wäre sehr aufwändig, alle Bands aufzulisten amit denen er über die Jahre gespielt hat, es scheint als sei er auf jeder belgischen CD vertreten, die in den letzten Jahren veröffentlicht wurde.Er war Gründungsmitglied von »X-Legged Sally« sowie von »Think Of One« bevor er diese Band 2003 verliess, um seine Energie in »Flat Earth Society« zu stecken. Er spielt ausserdem »Jaune Toujours«, einer Brüsseler Folk Band mit seinem Bruder Piet Maris an Gesang unnd Akkordeon, Darüber hinaus hat er mit Kollegen wie Fred Frith gespielt.
Wilbert de Joode ist einer der eigenständigsten Bassisten der europäischen Szene. Der Amsterdamer hat mit einer Vielzahl von Berühmtheitem wie Fred Frith, Han Bennink, John Zorn, Goerge Lewis, Mats Gustafson etc gearbeite und ist regelmäßig auf den einschlägigen Festivals sowohl in Europa als auch den USA und Kanada zu sehen.
Percussionist Michael Vatcher ist seit 1977 in Amsterdam und arbeitet in Europa mit Musikern und Ensembles wie Available Jelly, tder band The Ex, Frankie Douglas Sunchild, Roof; und Michael Moore's bands. Andere Musiker, mit denen er gearbeitet hat umfassen John Zorn, Simon Nabatov, Ernst Rijseger. Michael ist küntlerischer Leiter für den musikalischen Part beim Improvisations Festival Frascati in Amsterdam.
Selbst Altsaxophonist Jan Klare, immer für Überraschungen gut, machte diesmal in Harmonie und servierte zusammen mit Michael Vatcher, Wilbert de Joode und Trompeter Bart Maris delikate Köstlichkeiten auf der Basis klassischer Musik, die sich als ideales Spielmaterial für die sensibel agierenden FreeJazzer erwies.
Sven Thielmann, 23.1.06 WAZ
Das Ohr forderten auch die in avantgardistische Jazzfelder überführten klassischen Zitate des neu formierten Quartetts »1000«. Saxofonist Jan Klare, der Holländer Wilbert de Joode am Kontrabass, der Belgier Bart Maris an der Trompete und der Amerikaner Michael Vatcher am Schlagzeug entzündeten Feuerwerke voller verquerer Improvisationen und spritzig-witzigem Umgang mit den verwendeten thematischen Bezügen.
NRZ, 24.1.06
This band is called »1000« (thousand) because it was born in 2004 in a series of concerts called »1000 years of jazz« , because »1000« is a strong number and because it is as digital as can be. The quartett's line up has various roots. Wilbert de Joode and Jan Klare work toghether since the early 90's in different groups, most noteably the dutch/ english/ german quartett EUREKA, that existed from 1994 -98, in which also Michael Vatcher was afeatured guest a number of times. After a commission for the Jazzfestival Münster in 1997 the trio Klare, de Joode, Vatcher develloped, that worked in unregiular intervals. Bart Maris himself had worked with de Joode and Vatcher on a number of occasions and had been introduced to Klare in 2001. They soon found out, that they had a lot of sympathy for each others playing and thinking - so putting a band together was a logical step.
The basic repertoire of »1000« consisted of interpretations of classical compositions to begin with - for example from gregorian music, Bach, Wagner, Monteverdi a.o. Then Jan Klare began to write pieces that concentrated on the special characters in the band. The »1000« line up may perhaps remind one of the O. Coleman-quartett - which isn't completelx wron, but »1000« sounds very different. Auf markante Weise gehen hier Composition and its blending with improvisation are the prominent characteristics in this setting. The nstruments change leading and accompanying roles constantly, the music stays solid at all times.
Saxophonist Jan Klare lived in Düsseldorf from '79 to '87. 1987 he went to London, where he worked with Harry Beckett, Ricardo Santos amongst others. In 1990 he moved to the netherlands and then again germany and was involved in a large number of bands and productions in all genres. His most important band is »Das Böse Ding«, which has released 5 CD's and is well active on the european scene.
Bart Maris plays trumpet. It would be impossible to give a list of bands he is in or plays with, as he seems to be on nearly every Belgian CD released in the last couple of years. He was one of the original members of X-Legged Sally, and also of Think Of One before he quit that band in 2003 to put all of his energy in Flat Earth Society. He is also a member of Jaune Toujours, a Brussels folk band with his brother Piet Maris on vocals and accordeon and has worked with people as Fred Frith.
Wilbert de Joode is a veritable research scientist of bass pizzicato and bowing techniques. A self-taught musician, he has been playing the double-bass since1982. His idiosyncratic style was soon noticed and he came into contact with such musicians as J.C.Tans en Rinus Groeneveld, Michiel Braam, Han Bennink en Han Buhrs (Schismatics). de Joode is currently one of the most active bass players on the Dutch improvised music circuit.
Percussionist Michael Vatcher has been based in Amsterdam since 1977, working in Europe over ten years with musicians and ensembles such as Available Jelly, the band The Ex, Frankie Douglas Sunchild, Roof; and Michael Moore based bands. Other musicians he has worked with include John Zorn, Simon Nabatov, Ernst Rijseger. Michael is artistic director for the music element of the Improvisation Festival Frascati in Amsterdam.
Klare und Co. Am Rande des Spielbaren Der Amerikaner Michael Vatcher bespielt seine gesamte Schiessbude ? mit Sticks, mit Besen, mit Schlegeln, mit Händen und Füssen. Mit feuchten Fingerkuppen bringt er das Fell der Snaredrum zum Schwingen, mit dem Ellenbogen variiert er die Spannung. Er bespielt die Rahmen seiner Trommeln, die Ständer seiner Becken. Und er ist nur einer aus dem Quartett »1000«.
Der Zuschauer weiss gar nicht, wohin er zuerst schauen soll. Wilbert de Joode bearbeitet seinen Bass mal mit den Fingerkuppen, mal mit dem Bogen. Ganz tief greift er die Saiten und erzeugt erstaunlich hohe Töne mit seinem bauchigen Instrument. Dann wieder scheint der Niederländer regelrecht mit dem Bogen an den Saiten zu sägen und erzeugt lang gezogene, kratzige Tiefen.
Die Bläser Bart Maris aus Belgien /Trompete) und der Kopf der Band, der Münsteraner Jan Klare (Saxofon und Querflöte), stehen ihren Kollegen in nichts nach: Maris präsentiert eine Klangpalette, die vom Rauschen des Windes bis zur glasklaren Fanfare reicht, und Klare kann sein Saxofon spielen, ohne das Mundstück zu probieren.
Zur Präsentation der neuen CD »unplayable« spielte das Quartett am Donnerstagabend, eingeladen vom Westfälischen Kunstverein, im Landesmuseum auf. Nachdem im Eröffnungsstück »Last call...« tatsächlich noch Spuren des Bebop zu hören waren, ging es mit dem Titelstück der CD rückhaltlos in die Gefilde des Freejazz. »Unplayable« hat Klare seinen Musikern auf den Leib geschrieben, ein Stück am Rande des Spielbaren, mehr Anstachelung als Komposition. Denn jedes Mitglied des international besetzten Quartetts, das weiss Münsters erfolgreichster Jazzmusiker, ist ein Improvisationstalent erster Güte.
Das Stück verlangt der band und dem Publikum einiges ab, beginnt wie das Klanggewirr aus einem Orchestergraben während des Einspielens und bietet dann einen wilden Schlagabtausch zwischen melodischen Passsagen und kreativem Chaos. Ein Schlagzeugsolo, das Saxofon meckert ein Staccato, der bass sägt Klänge dazwischen und die Trompete röchelt. Irre! »1000« zu hören, ist ein Genuss, síe spielen zu sehen, ein Erlebnis!
Frank Zimmermann WN 13.1.2007
Anna Austrup MZ 13.1.2007