jan klare

autofab

AUTOFAB sind:

Schweigen ist Silber, Autofab macht Gold.

Immer wieder gern gesehen: der Münsteraner Saxophonist Jan Klare, der mit FreeJazz, Grunge, Rock und kammermusikalischen Sounds den Saal zum Kochen brachte. Großartig vor allem Bassist Hartmut Kracht, der…

Sven Thielmann, WAZ, 12.1.05

…Das ist neu, das macht Spaß. Zwei Merkmale, die Jan Klares Formation “Autofab inflated” noch weiter treibt. Erfrischend innovativ definieren die 5 Musiker den New Jazz um, sie zerlegen Deep Purple und Kollegen mit deren eigenen Mitteln – wummernde Orgel und peitschende Gitarrensoli, die Hartmut Kracht am Bass stilecht zelebriert. Sänger Han Buhrs verkörpert die Symbiose aus David Bowie, Tom Waits und Prince. Das Publikum tobt. Vielleicht weil die Hörgewohnheiten ein Schleudertrauma davontragen.

Hilmar Riemenschneider, WN, 10.1.05

…sorgte noch Jan Klares Festival Formation Autofab inflated für eine Nebengleis Debatte über das Reinheitsgebot im Jazz: Seit Jahren schert sich der Münsteraner wenig um eingefahrene Hörgewohnheiten und vereinfachende Klassifizierungen. Wer bei ihm als Musiker einsteigt, muss alle Hemmungen fallen lassen. Und wer Klare hört, sollte das auch tun. Sonst ist er hoffnungslos verloren in dem brodelnden Gebräu aus Rock und Randale, Funk und Fun. Jan Klare, Hartmut Kracht und Frank Köllges, bei diesem Auftritt um den niederländischen Vokalisten Han Buhrs und den Keyboarder Oliver Siegel verstärkt, drehten den Jazz genüsslich durch den Wolf. Eine Frischzellenkur für Aufgeschlossene. Eine Tortur für Traditionalisten.

Klaus Peter Heß, MZ, 10.1.05

.. einen ähnlichen Weg gingen auch Autofab – jedoch nicht ganz so laut, nicht ganz so hart, etwas melodischer und mit Saxophon und Querflöte anstatt des Cellos. Aber auch hier stand das Experimentieren mit verschiedenen musikalischen Stilen im Vordergrund, trafen Jazzelemente auf Funk, Punk oder gar Krautrock; lebte die Musik von beinahe witzigen Gegensätzen: Wenn Jan Klare etwa nach einem quirligen Solo mit Saxophon oder Querflöte eine entspannende Melodie anstimmte, Frank Köllges sein Schlagzeug indes plötzlich mit Speedmetal-Rhythmen aufmischte und Hartmut Kracht einen dicken Dauerlauf-Bass mit röhrenden Rückkopplungen lieferte, kam so mancher ins Schmunzeln – dem konnte nur der komisch-laszive Gesang Köllges in “Ich brech’ die Herzen der stolzesten Frau’n” noch eins draufsetzen.

Florian Stemmler, Südkuier 10/04

Jeder Versuch einer Beschreibung dessen, was uns am Donnerstag um die Ohren gehauen wurde, müsste an dieser Stelle eigentlich kläglich scheitern. Wie sollte jemand, der zu Hause hauptsächlich Johnny Cash Aufnahmen sein eigen nennt und musiktheoretisch die absolute Vollpfeife verkörpert, solch sensationellen Musikern, soviel musikalischer Professionalität, Phantasie und infernalischer Inbrunst, mit mühsam abgerungenen Satzkonstrukten gerecht werden können. Jan Klares Autofab. Ein herandonnernder, Kinnladenausrenkender wütender Orkan, der alle sieben Todsünden in einem einzigen blitzkriegartigen Rundumschlag auf uns niederprasseln ließ. Drei heilig zu sprechende Emo-Hard-Jazz-Core-Rock-Porno-Großstadtdschungel-Könige auf totaler Zerspanungs-Mission, die mit ungeheurer Wucht das Kellergewölbedach durchstießen, drei Stockwerke über unseren Köpfen die Dachterrasse bersten ließen, und sich mit hochgereckten chromblitzenden Eisenfäusten und knatternden Superman-Kutten aus der irdischen Umlaufbahn katapultierten. Ein absoluter Hochgenuss, was die Jazz-Bestien in fiebriger, sich restlos verausgabender Performance, dem staunenden Auditorium vor den Latz knallten. Hartmut Kracht. Ein Berserker. Gnade dir Gott, wenn der dich zwischen die Finger kriegt. Bis zur Halskrause zugeballert mit hoch dosiertem Endorphin. Mit dem Charisma eines psychopathischen Ledernacker-Schleifers entfesselte »Jimmi« Kracht orgiastische Ur-Gewalten und nötigte sein Instrument (Wie ist es nur möglich, so Bass zu spielen?) vor unser aller Augen zu hemmungslos animalischen Sexualpraktiken mit dem verschreckt fiependen Verstärker. Jan Klare, in coolem Ami-Outfit und weißen Tretern (Der darf so was wirklich tragen!), verausgabte sich vollkommen zu den apokalyptischen Visionen an Saxophon und Querflöte und zuckte schweißtriefend wie ein elektrifizierter tollwütiger Derwisch, glücklich nach Luft ringend, wenn wir nach den Titeln (hatten fast ausschließlich alle Jungens-Namen!) unsere Begeisterung lautstark hinausjubelten. Der Charmebolzen des Abends, der Trommelkasper, das Urviech, der Horst Janssen der Trommelfelle, Vokalakrobat und Jazz-Karussell-Anreißer Frank Köllges, machte an diesem Abend für alle unmissverständlich klar, was die Stunde geschlagen hat und wo verdammt noch mal der Hammer hängt (Da fehlen mir hier echt die Worte!) und legte es offensichtlich drauf an, die Herzen aller anwesenden Frauen im Club zu brechen, selbst die der stolzesten. Mit der Brille auf alle Fälle, Herr Köllges, du Tier! Doch immer wieder auch ganz Zartbesaitetes im Auge des Tornados (Nie zuvor habe ich jemals so leisen zärtlichen Schlagzeugzauber auf einer Bühne erleben dürfen). Nach der zweiten, ganz eindeutig letzten Zugabe (ich glaube diese Nummer aus Das Leben des Brian wieder erkannt zu haben, »Always look a the bright side of life…..«, allerdings mit atomgetriebenem Turbolader und eine Million mal schneller!), blieben wirklich keine Fragen mehr offen. Wir waren restlos bedient. Was für ein Abend, was für eine Vorstellung …..

Commander Scherbening, 9/044

“…Der Versuch, sich mit ihrer experimentellen, metrisch wie melodisch mal vertrackten, mal einfach nur agressiven Spielweise verbalen Beschreibungen zu entziehen, gelingt. Mit ihrem “schrägen Kram” auf höchstem Niveau wurde das Konzert zum Abenteuer. Viele der Stücke liefen ineinander über, die Stücke “Jackie” und Jimmy” liessen Zeit zum Verschnaufen, gleich darauf dröhnte aber wieder ein verzerrter E-Bass, ein gebrochener Rythmus und ein kreischendes Saxophon. Jedes Stück von Autofab wirkte chaotisch und arrangiert zugleich.”

RP, M. Grenzebach,27.9.04

“…Das Trio AUTOFAB etwa, das seinen punkig-infernalischen Grunge-Jazz mit mit ungeheuer viel Energie, aber auch viel Spaß auftischte.

NRZ, C. Giese,10/04

“…dieser wunderbare Gig im Cave in Heilbronn. es ktracht und zischt und pfeift , die leichte Musik zur verspäteten Kaffeestunde wird durch die Rotation eines Hubschraubers gejagt. Und nichts ist, aber rein gar nichts ist mehr so, wie es mal war.”

Heilbronner Stimme, M. Adick,5/04

“Jan Klare bläst sein Horn, was das Zeug hält, Hartmut Kracht spielt verzerrte Wah Wah Bass Soli und Frank Köllges scheint, zumindest auf einigen Stücken, eine Maschine zu sein (oder mit einer zusammen zu spielen). Diese Musik ist wild, sie kracht, geht ohne Rücksicht auf Verluste ans Eingemachte und erinnert gelegentlich an John Zorn in seinen wilderen Momenten. Neben der eh schon eklektischen Spielweise verleihen die vielen verschiedenen Aufnahmeorte dem Album ein abwechslungsreiches akustisches Setting. Die meisten Songs sind Kompositionen von Jan Klare und gehen wie im Fall von “Herbert” oder “Jimmy” durchaus ins Ohr und bleiben dort auch einige Zeit. Die Einflüsse dieser Musik sind also vielfältig wie ihre Stile – von energiegeladenen Free-Kakophonien über Alle-2 Sekunden-ein-Ton-Improvisationen bis zu Ohrenschmeichlern ist hier alles vertreten. Gespickt ist das Ganze mit seltsamen Versionen von “Tico Tico” oder Jean Michel Jarres “Oygene”(!). Der Ober Hammer ist allerdings eine Punkversion von “On the sunny side of the street” – Jazz for the freaked out! das Album endet mit einer tollen inspirierten Version des “Jitterbug Waltz”, die eindeutig die Einspielung von Eric Dolphy zum Vorbild hat. Mal ehrlich: Wozu braucht man Gutbucket, wenn diese Truppe um die Ecke wohnt”.

R. Bei der Kellen, ç,4/04

“Rau, aber herzlich. Jazz aus NRW, dass es nur so kracht: Klare, Köllges & Kracht nennen ihre Stücke “Herbert” und “Holger”, Standards heißen nicht nur anders als gewohnt, sie klingen auch so. Und wo hat man schon so unorthodoxe Versionen des Brasil- Klassikers “Tico Tico” oder von J.M. Jarres Elektronik Pop Hit “Oxygene” gehört? Die drei mit den großen “K”s entfachen ein Inferno aus jazz und Rock, Funk und Punk und knüpfen mit Druck und Energie, auch mal mit leiseren Tönen, an das an, was Ende der 80er Jahre, mit der New Yorker Kultband Lounge Lizards als Aushängeschild, “Fake Jazz” genannt wurde. Mit dem bemerkenswerten Unterschied, dass es sich hier um versiertere Instrumentalisten handelt, als John Lurie je gewesen ist.. Spielen doch Jan Klare und Hartmut Kracht schon bei “Das Böse Ding”, einer der frechsten, aber dabei komplexesten Bands der deutschen Szene, zusammen.”

B. Klostermann, fono forum,3/04

“Wie kann man die Musik von AUTOFAB eigentlich beschreiben? Der Autor dieser wenigen Zeilen musste sich lange das Gehirn zermartern, aber es passte einfach nichts. Darum kreierte er die Bezeichnung Punk-Jazz (oder ist Jazz-Punk geeigneter?). Denn AUTOFAB bannen die expressive aber immer mitreissende klangliche Härte ihres Sounds nun auf CD. Das Trio um den charismatischen Jan Klare ist musikalisch ein wahres Erlebnis und unglaublich abwechslungsreich”.

M. Lücke, jazzpodium,2/04

Jazz, dass es kracht. Das Knallertrio Klare, Köllges und Kracht nennt seine Stücke “Herbert” und Holger”, der ein oder andere Standard heisst nicht nur anders als gewohnt, sondern klingt auch so. Und wo hat man schon dermassen abgefahrene Versionen von “Tico Tico” oder J.M. Jarres “Oxygene” gehört. Die drei mit den großen “K’s” entfachen ein Infernoaus Jazz und Rock, Funk und Punk und halten sich mit Druck an die Devise: “Schweigen ist Silber, Autofab macht Gold”.

Berthold Klostermann, coolibri,1/04

Treibend und gradlinig erklangen die Instrumente, nahmen die Zuhörer mit auf eine faszinierende Reise. Das Trio “Autofab” liess es im Jazzkeller krachen. Zu den Leisen gehören sie wahrlich nicht. Sie sind eher Meister der lauten Töne.

Sonja Stemes, Rheinische Post, 20.12.03

Die drei Brachial-Clowns mischen simple Formen mit freier Spielweise. Das Publikum hatte seinen Spass an dieser Band mit mindestens zwei Gesichtern.

WAZ, 20.12.03

Autofab – ein musikalisches Projekt, das die Grenzen zwischen Instrument und Musiker aufsprengt, um einem enrgetischen Sound zwischen Jazz, psychedelischem Grunge und Break Beat Bahn zu brechen.

Eric Willems, WN, 13.12.03

Überhaupt Kracht: Manchmal spielt er seine Bass- wie eine Rockgitarre – grob, verzerrt, dann wieder funky, entfachte dickflüssige kontrollierte Rückkopplungen, die unter die fein gesponnen rhytmischen Muster von Frank Köllges krochen.

W.A. Müller, MZ, 13.12.03

Herbert, Ziggy, Jimmy, Jack, Fred, Bob, Holger – ein erster Blick auf die Tracklist der neuen CD mit dem unspektakulären Titel “Klare, Köllges & Kracht” erweckt fast den Eindruck, als habe Jan Klare, um augenzwinkernde Titelbenennungen nie verlegen, sein privates Telefonbuch verjazzt, um jeden seiner Spezis ein wenig zu charakterisieren. Falls es so wäre, könnte man auf eine Fortsetzung gespannt sein. Denn der münstersche Saxophonist geht bei der musikalischen Unterfütterung des illustren Namensregisters mit einer solch stürmischen Ausgelassenheit, Radikalität und Vielfalt ans Werk, dass man ganz gern auch die bislang unberücksichtigten Bekanntschaften kennen lernen würde. Herbert scheint ein ziemlich wüster Rocker zu sein, Ziggy ein undisziplinierter Chaot, Jimmy ein Mensch mit eher melancholisch – romantischer Ader und Jack ein experimentierfreudiger Witzbold. Fred hingegen mag es wohl am liebsten gradlinig, direkt und übersichtlich, Bob etwas verspielter, dabei nicht minder rythmisch als sein Vorgänger. Und Holger? Er macht in seiner Kurzbeschreibung den mysteriösesten und zugleich sensibelsten Eindruck in der ganzen Gruppe. Nun verlassen sich Klare sowie Hartmut Kracht (Bass) und Frank Köllges (Schlagzeug, Keyboards) in ihrem bisweilen ziemlich krachendenJazz – Potpourri allerdings nicht allein auf Eigenkompositionen. Fats Waller’s “Jitterbug Waltz” ist eine liebevolle Sezierung des Klassikers, Jean Michel Jarre’s “Oxygene” eine konsequente, knappe Weiterentwicklung – und Jimmy Mc Hugh’s “On the sunny side od the street” wird zur Jazz-Punk-Hymne auf die Freiheit der Interpretation.

Uwe Meyer in der WAZ, 12.11.03:.

Die fulminante Show der Chaos-Ritter Nach einer Erzählung des SciFi Autors Phillip K. Dick benannte sich “AUTOFAB”. Dick war ein genialer Spinner , unter anderem überzeugt davon, dass er vom Mars auf die Erde geschickt wurde. “Eine Bande von Verrückten” heisst einer seiner Romane, und auch danach hätten sich Klare, Köllges und Kracht benennen können. Crossover, Quodlibet haben die drei Chaos-Ritter aus NRW sich aufs Banner geschrieben. “Heute wird aus der Hüfte geschossen!”, verspricht Jan Klare – in seinem bunten Hosenanzug sieht er aus wie eine wandelnde Krawatte aus der Epoche der Prilblümchen. Druckvoll verbindet sich fieser Krautrock mit dem Funk eines James Brown. Schon nach 30 Sekunden steht dem Publikum ein ungläubiges Lächeln ins Gesicht geschrieben: Hartmut Kracht verbiegt sich über seinem E-Bass wie ein gequälter Homunkulus, entlockt ihm monumentale Dinosaurier -Riffs und endlose Rückkopplungen, indem er die Saiten mit dem Mikroständer bearbeitet. Die Musik von Autofab ist bunt wie ein 10-Pfennig-Lutscher, gemeinsam bringen die drei Musiker Underground-Attitüden in den Jazz ein, vermischen ihn mit elektronischen Experimenten und einem Scatgesang, der an dadaistische Lautgedichte grenzt. “Rale, rale, plups!” ruft Frank Köllges, als säße er nicht im K9, sondern einige Kilometer weiter, im Züricher Cabarte Voltaire. Mit Karacho zimmert der Drummer einen rabiaten Beat unter seine Verse, Bass und Saxophon stimmen ein, der Geist von John Zorn schwebt unter der Stuckdecke. Nicht ohne Ironie entwickeln Autofab schließlich Jan Garbareks Schönklang für die Kids der Techno-Genaration weiter. Über Beats mit der Klangästehtik alter Telespiele legt sich ätherisch das Saxophon, eine wabernde Keyboardschwade umhüllt das Ganze, als seien die legendären LA Düsseldorf wieder auferstanden. “Jetzt gib mal voll Stoff!”, brüllt Köllges schließlich dem Mann an den Lautstärkereglern zu. Was danach kommt bläst dem 23. Konstanzer Jazzherbst die Blätter von den Bäumen. Einen wagemutigeren, geglückteren und irrwitzigeren Auftakt des Festivals hätte man sich nicht wünschen können.

Harald Ruppert im SÜDKURIER Konstanz am 26.10.2002:.

Jazz außer Kontrolle – “Autofab” wütete im Torhaus Im Torhaus gastierte eine spannende, neue Formation aus der derzeit sehr vitalen NRW Jazzachse zwischen Ruhrpott und Westfalen. Klare und Kontrabassist Hartmut Kracht haben mit dem Schlagzeuger Frank Köllges einen idealen Mitstreiter gefunden, um ihre wilden Ideen zwischen Jazz, Blues, Elektronik, Funk, Improvisation und progressiver Rockmusik zu verwirklichen. Unterstützt von Synthesizer, Keyboard, Drumcomputer und Effektgeräten wütet das nach einer autonomen Fabrik aus einer Sci-Fi story benannte Trio zwischen den Polen. Da bricht ein ruppig- rockiges Groove Monster unter expressiv überblasenem Saxofon, den jaulenden Verzerrungen einer akustischen Bassgitarre und fetten Feedback Schwaden plötzlich ins freejazzige weg, werden wir mit einer lyrischen Ballade besänftigt, um dann mit Klares Gesang an die Grenzen des harmonisch Vertretbaren geführt zu werden. Da vereint Sprechkünstler Köllges Wiener Schmäh mit einem Scat Gesang zwischen Helge Schneider, Dada und King Louis aus dem Dschungelbuch oder bekommen wir als Zugabe eine ganz schlimme Bontempi-Techno-Version von Abreus Samba Klassiker “Tico tico” serviert. Jazz außer Kontrolle könnte man diese freischwebende Mixtur nenne – fände das Trio nicht mäandernd zu immer neuen Formen und plünderte es nicht frech in der Tradition. Da taucht urplötzlich Eddie Harris’ “Freedom Jazz Dance” als mächtige Funkschwarte auf, wird ein Oldtime Satchmo Evergreen wie “On the sunny side of the street” per Umhängetrommel kess in den Saal geschmettert oder zeigt sich der expressive, launige Bandleader in Fats Wallers “Jitterbug Waltz” von seiner romantisch-zarten Seite. Verrückt

Andre’ Hesel im Weserkurier am 24.12.02 (!).

Hinterm Horizont geht’s weiter “Während sich viele seiner Kollegen gern auf ihren künstlerischen Lorbeeren ausruhen, ist Jan Klare stets für Überraschungen gut.”Der Altsaxophonist gehört seit langem schon zu den wagemutigsten, vielseitigsten, einfallsreichsten und witzigsten Jazzern des Landes. Ein Ruf, den er mit Autofab wieder einmal nachhaltig unter Beweis gestellt hat. Das 2 1/2 stündige Triokonzert mit Frontmann Klare sowie dem ungemein starken Bassisten Hartmut Kracht und dem Schlagzeuger Frank Köllges setzte mit kompaktem, ungemein wuchtigem Sound, improvisatorischer Überzeugungskraft und gut dosierten Wechsel zwischen Kompositionen und Soli endlich wieder neue Akzente in der Szene. Köllges brachte die Philosophie des “Autofab” – Auftritts mit einer seiner zahlreichen Randbemerkungen auf den Punkt: “Klare sorgt für die Melodie, Kracht für das Inferno.” Währenddessen er selbst mit knallharter Disziplin und geradezu zärtlichem Fingerspitzengefühl , aber auch mit eruptiven Momenten das Korsett zu den wechselnden Linien stellte. Zudem animierte Köllges – nach der Devise “Feuer und Humor” – die versammelte Jazzgemeinde mit Mouth-drumming und skurrilen verbalen Einsprengseln zum Lachen. Nein, bierernst ging es im Club wahrhaftig nicht zu, aber auch nicht clownesk. Wenn Kracht mit fetten Grooves und fetzigen Rückkopplungseffekten den E-Bass traktierte wie einst Jimi Hendrix seinen Sechssaiter, wurde klar, was hier passierte: Eine Band löst sich mit Gewalt und Geschick aus den tiefen Spuren von Tradition und Moderne, um über Seitenpfade zu neuen künstlerischen Zielen zu gelangen. Ohne dabei jedoch alles rücksichtslos über den Haufen zu fahren, was den Jazz heute repräsentiert. Aber hinterm Horizont geht’s weiter. Klares musikalische Kommentare zum Stand der Dinge fielen entsprechend wild aus und sind mit “Ekstasen am Saxophon” nur unzulänglich beschrieben. Wenn er das Instrument schreien ließ, wie einen zum Tode verurteilten Staubsauger, dann war der Meister voll in seinem Element. Umso betörender wirkten dazwischen die zarten, bisweilen gar hymnischen Momente in seinem Spiel. Klare ist kein Quälgeist sondern ein subtiler und unermüdlicher Sucher. Da geht man dann gerne mit – auch bis an die Schmerzgrenze.”

Klaus Peter Heß, MZ, 15.2.03

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