und Wolfgang Ekholt, diesmal aber mit dem äußerst ruppigen Bassisten Hartmut Kracht spielt Klare in der Band Das Böse Ding zusammen. Der Jazz, den die 4 da spielen, ist purpurrot - und was das bedeutet wird einem schnell klar: Es geht mit wesentlich mehr Agressivität und Karacho zur Sache. Die fauchende und schnaufende Orgel von Martin Scholz ist dafür verantwortlich - er kam für den Vibraphonisten Tom Lorenz zum Bösen Ding -, aber auch der wesentlich heftiger auftrumpende Wolfgang Ekholt. Ab und an greift Scholz auch zur Trompete, und im Verein mit Klare klingt's dann auf einmal feierlich-fanfarenhaft und ein wenig nach Ornette Coleman. Meist aber spielt sich die Musik Klares - er hat den Löwenanteil der 14 Stücke geschrieben - vor einem anderen Hintergrund ab: Sie hört sich an, als ob all die Artrock-Kapellen der 70-er Jahre, die doch recht diszipliniert vor sich hinwerkelten, sich auf einmal haben gehen lassen. Wer sich Gentle Giant als Punks vorstellen kann, bekommt eine Ahnung - und die Fassung von Hendrix' "Manic Depression", die Das Böse Ding hier runterschrubbt. einem anderen Ahnherren, der komplexe Strukturen mit roher Kraft mit roher Kraft und Urwüchsigkeit kombinierte, wird hier mit einem Augenzwinkern Tribut gezollt: "League of the krafty Krauts" heißt nicht nur, sondern klingt auch nach Robert Fripp."
Rolf Thomas, jazzthetik 5/05
jagt Das Böse Ding vom Opener "First Stereo" bis zur letzten Nummer "Does Moondoc Dream Of Electric Bassdrums" durch ein Inferno aus Post-Free-Rock-Jazz. Dabei erinnerst sich das Quartett zwar gern an Art-Bands wie Soft Machine und King Crimson oder zitiert "Manic Depression" von Hendrix, doch die historischen Strukturen werden konsequent aufgebrochen, von schön-schaurigen Saxophonmelodien umschmeichelt, durch kraftvolle Rhythmen umgeschichtet oder auch mal um deutsche Textzeilen im Punk-Staccato ergänzt. Eine clevere, enorm vielfältige Musik, die sich mächtig gegen jede Schublade stemmt und mit ihrem wilden Mix von Blues bis Punk-Jazz eine eigene Abteilung belegt. Im CD Format schon reichlich spannend, aber auf der Live Bühne dürften diese Ruhrpöttler sicherlich ein absolut mitreissendes Ereignis sein.
Olaf Maikopf, jazzthing 1/05
geht's gleich in die Vollen und "First Stereo" groovt los, dass es nur so staubt. Klare, Scholz, Kracht und Ekholt bleiben der Devise muskelbepackter Vorwärtsbewegung treu, schaffen mit "purple jazz" ein infernalisches post-rockiges, post-jazziges, post-punkiges Vexierspiel zwischen allen möglichen Stühlen aller möglichen Raum-Zeit-Inkontinenzen. Die "Manic Depression" legt's dabei eindeutig auf Ansteckung an. "Oh Lord"! Mit der Orgel von Martin Scholz , die an die Stelle von Tom Lorenz's Vibraphon getreten ist, hat sich zwar die Klangcharakteristik des Bösen Dings deutlich verändert, nicht jedoch der intelligent gegen jegliche Vereinnahmung musikalischer Bewegungslust revoltierende Grundansatz der Band, die ihre Sozialisation im Rock der 70er nicht verleugnet, deren Energie jedoch ohne irgendwelche nostalgischen Verbrämungen in die eigene Musik-Mixtur einbringt, die wiederum in anarchischer Lust natürlich auch dem "shape of jazz that was" und in "Bad Giant" dessen Allerheiligsten einen recht heftigen - durchaus respektvollen - Tritt in den Allerwertesten versetzt. Bewegt euch, Leute! Wohin genau es geht, ist erst mal wurscht. Hauptsache es macht Spaß!
Tobias Böcker, jazzpodium 10/04