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jan klare
ja to zz
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CDs: ja to zz

Er hat einfach mehrere Songbücher aufgeschlagen,

blind mit dem Finger auf einen Titel getippt und fertig war die Auswahl. Denn auf der neuen CD des Münsteraner Universalklangbastlers Klare finden sich so unterschiedliche Komponisten wie Lennon/McCartney, Duke Ellington, Cole Porter oder Pat Metheny. Ähnlichkeit mit den bekannten Originalen ist bei Klare nicht unbedingt erwünscht. Vielmehr favorisiert er den eigenständigen Klangkosmos, den er mit seinen Saxophonen dynamisch bis exzessiv erzeugt. Die CD ist das Resultat einer Konzertreihe im Dortmunder Jazzclub "Domicil", in dem Klare seit März 2000 an jedem zweiten Mittwoch das "Real Book" der Jazzer abarbeitete - von A - Z. Dabei kommt jeder Buchstabe des Alphabets vor: von A wie "April in Paris" bis Z wie "Zero Tolerance for silence". Manche Titel sind bis zur Unkenntlichkeit verschönert, andere in der Originalität kaum zu toppen. Ein beachtliches Unternehmen, das beim Hörer angekommen ist.

Westzeit (Klaus Hübner) 7/2005

Ein Stöbern im Fundus -

Supernova heißt die Band, mit der er im Big Band-Format schwelgt, Autofab sein ruppiges Trio nah am Punk, das Böse Ding sein Quartett, das uns an den seligen Art-Rock erinnert. Saxophonist und Flötist Jan Klare aus Münster fädelt sich durch die Kategorien und entzieht sich vorschnellen Einordnungen, eben weil er Material umschichtet und anders darüber improvisiert, weil er sanfte Balladen hinfühlen kann und ebenso die krasse Attacke liebt. Der Mann vom Jahrgang 1961 ist ein Jongleur mit Gesten, Profilen und Themen. Berührungsängste kennt er nicht, kennen aber sollte man ihn inzwischen übers Ruhrgebiet hinaus, weil Spaß und Virtuosität noch jeden seiner Grenzgänge grundieren. Diese letzte Platte ist sein ehrgeizigstes Projekt und was leicht zum Sammelsurium oder zum verkopften Schmäckerchen für audiophile Gourmets hätte werden können, ist eine breite, durchaus ernst gemeinte und doch mit leichter Hand entworfene Gigantomanie. Diese letzte Platte kann nur einen winzigen Ausschnitt aus einem riesigen Projekt abbilden. Sie tut das trotzdem von A bis Z, von "April in Paris" bis "Zero Tolerance for Silence", in leicht variierenden Besetzungen. Sie ist ein nachgeschobenes Studiostück zu einer unbescheidenen Live-Reihe, die Jan Klare mit wechselnden Partnern und in unregelmäßigen Abständen seit März 2000 im Dortmunder Jazzclub Domicil durchgezogen hat. Vier Jahre hat es gedauert, mehr als 60 Musiker haben mitgemischt. Startrampe ist das Real Book, ein Kompendium des Jazz, dessen ca. 500 Stücke dem Alphabet nach durchgespielt wurden. Das Real Book ist da zum Zähneausbeißen in den Musikschulen oder zum Zähnefletschen in nächtlichen Sessions. Schon allein, weil Letzteres auf den meisten großen Festivals zunehmend marginalisiert wird, ist Klares lustvolles Gewichtestemmen von hohem Wert. Und er hat allen Grund sein unbescheidenes Unternehmen ebenso zu kommentieren: "Nach Jahrzehnten aufopferungsvoller Arbeit ... sind wir hierzulande nun soweit, dass wir den Jazz manchmal fast genausogut spielen können wie unsere amerikanischen Idole." Es ist ehrlich und wahr, wenn er "fast" und "manchmal" sagt. Denn in diesen 16 Stücken wird selbstbewusst mit den großen Mythen gespielt. Man hört die Vorbilder mit, ist überrascht, wenn mit Mingus’ "Goodbye Porkpie Hat", der einzigen Live-Aufnahme des Sets aus dem Domicil, eine verblüffend ungeschliffene Fassung zum Wieder- und Wiederhören abgeliefert wird mit Klare als exzellentem Flötisten. Man ist enttäuscht, wenn man sich die Umdeutung von Jarretts "As Long As You Know Your Living Yours" etwas anders gedacht hatte, ist vielleicht befremdet von Kathrin Mandels Vokalisen über Irving Berlins "Cheek to Cheek". Man hört trotzdem gern, was hier von Ellington bis Coleman, von Loesser bis Lennon/McCartney (!), von Jobim bis Cole Porter etc. ausgebreitet ist. Und man darf sich ruhig ein bisschen ärgern, wenn man nicht vor Ort dabeigewesen ist.

Sonic (Ulrich Steinmetzger)

Ein bisschen durchgeknallt

ist die Idee ja schon, das "Real Book" auf der ersten Seite aufzuschlagen und dann in etlichen Sessions alle Stücke in alphabetischer Reihenfolge vor Publikum durchzuspielen. Eine solche Konzertreihe gab es wirklich. Der Saxophonist und Flötist Jan Klare hatte sie im Jahr 200 auf Einladung des Dortmunder Jazzclubs Domicil ins Leben gerufen. Mit "jA to zZ" ist jetzt eine Art "Best-Of" als Studio-Produktion erschienen. Und tatsächlich; das ganze fängt an mit einem Medley aus "April in Paris und Hendersons "Black Narcissus" und endet mit Pat Methenys "Zero Tolerance For Silence". Und auch für Jazz-Fans, die mit dem Gag des alphabetischen Stilmarathons nicht allzu viel anfangen können, ist "jA zo zZ" eine durchaus interessante Einspielung geworden: Klare, ebenso wie seine Bandmitglieder Martin Scholz und Oliver Siegel (keyb), Alex Morsey (b) und Wolfgang Ekholt (dr), verfügt über profunde Kenntnisse vom Material des "Great American Songbooks" und lässt diese in ungewöhnliche Arrangements einfließen.Mit Gastmusikern wie Sängerin Kathrin Mander, Kontrabassist Wilbert de Joode oder Schlagzeuger Michael Vatcher, hat Klare für sein außergewöhnliches Projekt außerdem eine Menge hochkarätige Verstärkung an Land gezogen. Ein lohnender Jazz-Marathon mit einem klasse Ergebnis.

Johannes Kloth, jazzdimensions 6/05

Es war schon ein an Wahnsinn grenzendes Unterfangen:

Im März 2000 begann der Saxophonist Jan Klare damit, in regelmäßigen Abständen im Dortmunder Jazzclub Domicil mit wechselnden Musikern das gesamte Real Book, die Bibel der gepflegten Jam Session, durchzuspielen. Nach 4 Jahren und ungefähr 500 Stücken war dann Schluss. Einen Eindruck dieser Unternehmung vermittelt die CD ja to zz, auf der Klare dank geschickter Medley-Verteilung für (fast) jeden Buchstaben des Alphabets einen Song findet. Ab und zu werden dann halt geschickt betitelte Eigenkompositionen eingestreut (J.K.). Altbacken kingt hier gar nichts. Das liegt einerseits an der originell besetzten Stammband, die mit 2 Keyboardern stets aussergewöhnlich klingt, ohne zwanghaft auf Gimmicks zu setzen. Zum Anderen hat Klare durch geschicktes Editing auch noch diverse Gäste eingestreut, die für Abwechslung sorgen. Auf einer Live Aufnahme von Mingus´"Goodbye Porkpie hat" zeigt Klare im Trio mit Wilbert de Joode und Michael Vatcher, dass er auch an der Flöte viel zu erzählen hat, und zweimal sorgt das Supernova Orchester für großorchestrale Aufgeregtheit. Und dass man Nummern von Bill Evans, Carla Bley und Billy Strayhorn charmant zusammenbringen kann, war auch noch zu beweisen. Mein Lieblingsstück "Cheek To Cheek", das hier zu einem fauchenden Progrockmonster mutiert, wobei Kathrin Manders klare Stimme einen schönen Kontrast setzt."

Rolf Thomas, jazzthetik 5/05

Der Münsteraner Vorzeigejazzer Jan Klare

ist seit jeher für interessante Überraschungen bekannt und ein Versuch, ihn stilistisch festzunageln, scheint fast unmöglich. Das gilt auch für seine neuste CD Produktion, der ein ungewöhnliches und langjähriges Projekt voranging. Seit März 2000 arbeitete sich der Saxophonist Klare im Dortmunder Jazzclub "Domicil" konsequent durch das mehr als 500 Standards umfassende" Real Book". Was seit den 30er Jahren als Grundlage für "jam sessions" gedacht ist, wurde im Jan-Klare-Projekt eine Demonstration von genialem Einfallsreichtum und beachtenswerterter Respektlosigkeit. Nun hat Jan Klare 18 Titel ausgewählt -u.a. von Mingus,Ellington, Coleman oder Porter, die auf dem alphabetisch angeordneten Album von A ("April in Paris") bis Z ("Zero Tolerance for Silence") in ungewöhnlichen Versionen zu hören sind. Vor (schönen) musikalischen Überraschungen ist man bei der gut eingespielten Band um Jan Klare jedoch bei keinem der Klassiker sicher (Anspieltipp "One note samba")! jAtoZz ist nicht nur ein wunderschöner und abwechslungsreicher Spaziergang durch das Real Book, sondern auch ein Einblick in die erfindungsreche Jazzwelt von Jan Klare und seinen Mitstreitern, die im Münsterland und Ruhrgebiet die dortige Jazzszene immer wieder neu bereichern.

Martin Lücke, jazzpodium 5/05

Die Lokalpresse schrieb:

Hendrik Ücüncü, gig 4/05: Mit einer Portion respektabler Respektlosigkeit und einer klaren Demonstration von Einfallsreichtum entstand daraus "ja to zz", eine 18--teilige, von Modern-, New-, Punk- und Rock-Jazz gefärbte musikalische Interpretation...

Hilmar Riemenschneider, WN 2/05: Für eingefleischte Jazz-Fans klingt das Konzept entweder superspannend oder wie der völlige Langeweiler: eine Band spielt sich durch das komplette "Real Book", die offiziell inoffizielle Fibel der Standards in mindestens 3 Bänden. Es wird einer der kürzesten Jazzer-Witze daraus: Spielt Jan Klare einen Standard... Tatsache, der Kreativkopf am Saxophon aus Münster hat sich in einer spannenden Konzertserie im Dortmunder Club "Domicil" den ersten Band vorgenommen. Auszüge daraus gab´s im Sommer in Münster zu hören. Aus diesem Projekt ging Klares´neue CD hervor, Jazz von A-Z, für jeden Buchstaben ein Stück, teils miteinander kombiniert. Was also darf man erwarten? Gewiss keine gefälligen BigBand- Arrangements, nichts Konventionelles. Die Konvention erfüllen Klare & Co ansatzweise um sie anschliessend gründlich und grandios gegen den Strich zu bürsten. Es kommt auch nicht das reine Real Book zum Vorschein, sondern eine Mogelpackung, in der auch zwei passende Klare-Kompositionen und "Michelle" von den Beatles einen Platz finden - inmitten berühmter Vorväter des Jazz. Niemand sollte seinen Ohren trauen, solange beliebte Kuscheljazzballaden wie "Cheek to Cheek" oder "When I fall in love" als nahezu tanzflächenreife Popstückchen daherkommen. So frisiert und mit der Stimme Kathrin Manders haben die Stücke das Zeug zum Hit. Und es scheint an manchen Stellen, als sei das ein Leitgedanke unter anderen gewesen, die Motivation hinter den Kompositionen zu transferieren. Mmanchmal gelingt das allein durch das an die 70er Jahre erinnernde Klangbild oder durch die Tonfärbungen des Saxophons, die assoziativ bestimmten Jazz-Epochen zuzuordnen sind. Jan Klares Kerntruppe mit den Keyboardern Martin Scholz und Oliver Siegel, Alexander Morsey am Bass und Wolfgang Ekholt hinter dem Schlagzeug garantiert eine sehr kurzweilige Jazz-Enzyklopädie. Gewürzt mit feinsinnigen Anspielungen und Koketterien ergibt sich ein anspruchsvolles und sehr eingängiges Hörvergnügen für wache Sinne, die dann und wann auch etwas Kuscheljazz in verträglicher Dosis bekommen.

K.P. Hess,MZ 2/05: Jan Klare jazzt sich durch das Alphabet - Eigenwilligkeiten aus dem Real Book Jan Klare, Münsters Vorzeigejazzer, ist für Überraschungen bekannt. Wie ein Aal windet er sich durch Kategorien und Genres. Ihn stilistisch festzunageln ist unmöglich. Und trotzdem bleibt sich der Altsaxophonist und Querflötist zwischen den Eckpfeilern von Modern-, New-, Punk- und Rock- Jazz stets treu. Ob mit nervösen Linien oder explodierenden Klang-Kaskaden, ob mit witzigen Kommentaren oder balladesken Ruhephasen - wer ihn einige male hat spielen hören, wird ihn fortan unter Dutzenden seiner Kollegen eindeutig heraushören. Jan Klare macht Spaß - selbst wenn er mit allem Ernst bei der Sache ist. Das gilt auch für seine neue CD Einspielung, der ein ungewöhnliches Projekt vorangegangen ist. Seit März 2000 arbeitete sich der Münsteraner im Dortmunder Jazzclub "Domicil" konsequent durch das das sogenannte" Real Book" - eine rund 500 Titel umfassende Sammlung von Standards aus der Jazzgeschichte. Wie geschaffen also für einen "klaren" Angriff auf eingefahrene Hörgewohnheiten. Was als Grundlage für "jam sessions" gedacht ist, wurde unter den flinken Fingern des Reperoire-Revolutionärs zu einer Demonstration von Einfallsreichtum und respektabler Respektlosigkeit. Ein 18 teiliger Ausschnitt dieser umfassenden Club Kollektion ist nun - bis auf das live mitgeschnittene "Goodbye Porkpie Hat" - als reine Sudioeinspielung herausgekommen. Dabei zeigt Klare keine Angst vor "großen Tieren". Weder vor Mingus noch Ellington, weder vor Coleman noch vor Porter. Sie alle sind bei seinem Spaziergang durch das Book-Alphabet vertreten - auf dem Silberling mit dem programmatischen Titel "jAtoZz" beginnend mit "April in Paris" und endend mit "Zero Tolerance for Silence". Klassiker, die sich Klare und seine Band (u.a. Martin Scholz, Oliver Siegel, Alexander Morsey, Wolfgang Ekholt und - nicht zu vergessen - die Vokalistin Kathrin Mander) zueigen machen, ohne deren Herkunft zu verleugnen. Vor Überraschungen ist man allerdings auch hier nicht sicher - und das ist gut so.

Andreas Fasel, NRW Ausgabe Welt am Sonntag 20.3.05: Jan Klare legt die Jazz-Bibel aus Was dem katholischen Geistlichen das Brevier, das ist dem Jazz-Musiker das Real Book. An dieser Standard-Sammlung kommt keiner vorbei, wer ein rechter Jazzer werden will, der hat sich an diesem Kompendium von 500 Jazz-Nummern abzuarbeiten. So lange, bis er ihre Harmoniewechsel intus hat wie eine Betschwester die Stationen des Rosenkranzes. Das Real Book ist tägliche Andacht und Exerzitium zugleich. Eine der gründlichsten Auseinandersetzungen mit dieser Bibel des Jazz kommt nun aus Münster. Das hat nichts mit der Glaubensfestigkeit der Stadt zu tun, sondern damit, daß in Münster der Saxophonist, Arrangeur und Komponist Jan Klare lebt und wirkt. Klare, für sein berserkerhaftes Zupacken weithin bekannt, hat sich 4 Jahre lang von A-Z durch den Kanon des Jazz hindurchbuchstabiert. Allmonatlich lud er zu diesem Zwecke Musikerfreunde ins legendäre Dortmunder Domicil. Und so wuchs in verschiedenen Besetzungen Jan Klares persönliche Auslegung des Real Book heran. Ein Extrakt dieser Jazz-Mission ist nun auf CD erschienen, Titel: ja to zz. Darauf sind einige der modernen Klassiker versammelt, von A wie "April in Paris" bis Z wie "Zero Tolerance for Silence". Wer Jan Klare einmal gehört hat, der weiß, daß dieser Musiker einen Standard niemals einfach nur so auf seinem Saxophon nachbeten würde. Klare zerlegt und setzt neu zusammen. Schmusestücken wie"Cheek to Cheek" treibt er mit Härte den Teufel aus dem Leib. Der Melodieseligkeit von "When I fall in love"hetzt Klare die ganze Meute seines"Supernova-Orchesters" an den Hals. Manchmal, wie in "Michelle" darf die Orgel eine fromme Kadenz spielen. Daß Jan Klare auch eine Neigung zum Jazz-Renegatentum hat, ist beim heiligen "One Note Samba" hörbar, den er in 11 Sekunden abhandelt, mit den Worten "Dies ist nur ein alter Samba und niemand will ihn hör´n." Was wohl die Jazz-Päpste zu solchen Ketzereien sagen?


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