Die Unsicherheit, ob sie auch wie sie selber klingen mögen, ist diesem innovativen Orchester jedenfalls als Charme - Offensive anzurechnen.
C. Giese NRZ
Mit dem Ruhrgebiets-Orchester "Supernova" leuchtet ein neuer Stern am Jazzhimmel. Spätestens im Satiricon spielte sich "Supernova" in die erste Liga europäischer Großformationen. Hoffentlich gelingt jetzt der Sprung auf die Bühnen außerhalb des Ruhrgebiets. Das Album "Entrance" ist jedenfalls eine feine Visitenkarte für alle Konzertveranstalter - und ein Muss für die Liebhaber zeitgenössischer Improvisationsmusik.
25.03.2002 WAZ Essen.Von Sven Thielmann
Seit "Swingbeats" und ihrem Ergebnis, Supernova, keinesfalls. ... in den beiden Jahren 1999 und 2000 gelang es den Musikern und Veranstaltern der Region mit ihrem Spielorte-Festival "Swingbeats" die Erinerung an die Qualitäten in Sachen improvisierte Musik wieder ins Bewusstsein zu bringen, ... vielleicht das wichtigste Ergebnis dieser Anstrengung ist Supernova, eine Art Globe-Unitiy-Bewegung des neuen Jahrtausends, verbunden mit einem breiten multikulturellen Ansatz.
Jazz pur, das heißt, Swing-Reminiszenzen, Fusion-Partikel, Marschmusik, Ruhrgebietsliedgut, Türkisches und anderes Mediterranes, in einem Topf gut durchgerührt, ergibt Supernova, Klänge der Gegenwart, die man in anderem Zusammenhang schon einmal gehört zu haben glaubt. Fünfzehn MusikerInnen ... haben sich zu einem Gemeinschaftswerk zusammengefunden, das tatsächlich eine neue Klangwelt schafft, von der man auf den ersten Blick glaubt, dass sie nur an der Ruhr entstehen kann. Spielfreude, Spaß daran, sich mit allen möglichen Themen mit Ironie und Witz auseinander zu setzen: Blicke zurück in das Heimatland dieser Musik, mit "I in America" und rockigen Gitarrenklängen des Andreas Wahl, nur vordergründig Politisches mit "Noten auf rotem Grund", Anleihen bei der orientalischen Folklore mit "Minimalheur", um nur einige der intelligenten Titel zu nennen.
Erfinder des Ganzen sind der aus Münster stammende Saxophonist Jan Klare, auch mit seinem Instrument sehr bemerkenswert, und der Essener Perkussionist Peter Eisold, der sich mit Hans Kanty und Wolfgang Ekholt kräftige Verstärkung in Sachen Schlagzeug geholt hat. In der Bläsersektion machen Evelin Degen, fl, Stefan Struck, tp, Veit Lange, ts, bcl, Matthias Müller, tb, und Stefan Schulze, tuba, auf sich aufmerksam. Das Außergewöhnliche an der Instrumentierung verdeutlichen der Violinist Christoph Irmer und der Oud-Spieler Ahmet Bektas. Schließlich sind auch die Saiteninstrumente mit dem schon erwähnten Andreas Wahl und mit dem Kontrabass von Hartmut Kracht sehr nachhaltig vertreten. Fehlen nur noch die unüberhörbare Pixie Presslee, die mit ihren Vocals dem Ensembleklang eine eigene Note verleiht, und Martin Scholz, der mit seiner Schweineorgel nicht nur für den notwendigen "background", sondern auch gelegentlich für einen fetzigen Vordergrund sorgt. Nach den zwölf Titeln kann man sich nur vorstellen, dass dies nichts anderes als eine erste Botschaft aus dieser fernen Sternenwelt ist.
(Hans-Jürgen von Osterhausen,"Jazzpodium" 5 / 2002)
Supernova ist ein neuer Stern am Erdenhimmel mit besonders starkem Helligkeitsausbruch. Bei Supernovae werden große Mengen schwerer Elemente, die im Inneren fusioniert wurden, in den Raum geschleudert. Supernovae spielen bei der Elementenentstehung eine entscheidende Rolle. Soweit die galaktische Version. Nun die musikalische...
"Supernova" ist ein neuer Stern am Musikhimmel mit besonders starkem Kreativitätsausbruch. Bei "Supernova" werden große Mengen schwerer Musikerpersönlichkeiten, die auf einer CD fusioniert wurden, in den Lautsprecher geschleudert. "Supernova" wird bei der zukünftigen Elementenentstehung der Musik eine entscheidende Rolle spielen.
"Supernova" ist der einzig denkbare passende Name für jene All Star Band, die der Münsteraner Jan Klare und der Mülheimer Peter Eisold zusammengebracht haben. Die 15 - köpfige Ursuppe bündelt das enorme Potential der Region Westfalen und nimmt dabei keine Rücksicht auf mutmaßlich kulturelle Unterschiede von Kohlenpott und Münsterland. Im Gegenteil.
Die Eingangs CD der Formation atmet Welt- und Zeitoffenheit mit Herz und Verstand. Wer unbedingt will, kann die musikalischen Einflüsse herausdestillieren. Ob Neue Musik, Komponenten der 12-Ton-Kunst, "special sound effects" oder schwer groovender Rock und sophisticated Swing, orientalische Folklore, zackige Märsche und auch Kurt Weill. Und doch verdirbt eine eklektizistische Erklärung der Faszination dieser CD deren Wirkung. Wer will schon einen Witz erklärt haben?
Denn "Entrance" ist humorvollste Musikunterhaltung auf höchstem Niveau. Im freien Spiel der Stile entwickeln sich ideenreiche Arrangements - Langeweile ist Fehlanzeige.
Zu diesem Zwecke wird auch gedichtet, was der Dada hergibt. Da diskutieren zwei Supernovisten darüber, ob ihre Musik nun eine "kugelförmige Ausweitung der Klangzonen" oder die blitzartige Ausweitung an den "Pforten der akustische Wahrnehmung" sei, um zu dem Ergebnis zu kommen: "Rund ist die Welt, flach ist der Magen". Wer wollte dem widersprechen?
(G.H. Kock WN 8.8.02)
"Zum Abschluss von "swingBeats" wurde im Herbst 2000 das Revierorchester Supernova gegründet.Dass Jan Klare & Peter Eisold die15-köpfige Truppe würden zusammenhalten können, wer hätte das gedacht. Die Besetzung ist kurios, die Musik furios.Mit arabischer Oud und Gebläse, Schlagwerk und Schweineorgel navigiert die Kapelle munter durch Jazz, Pop und Avantgarde. Und legt Wert auf die Feststellung, dass kein Mitglied je bei Miles gespielt hat. Supernova-Gitarrist Andreas Wahl hat auch das erste Solo bei PeterHerborn. Für sein zweites Großprojekt formierte ..."
(Berthold Klostermann Coolibri 05/02)